In einem MCP-first System gibt es neben Tools und Resources einen dritten Baustein: Prompts und Workflows. Ein Workflow ist ein vorgefertigter Ablauf, der einen Agenten Schritt für Schritt durch einen komplexen Prozess führt. Er definiert, welche Tools in welcher Reihenfolge aufgerufen werden, wo der Mensch gefragt werden muss, und welche Ergebnisse weitergegeben werden.
Workflows sind keine Skripte. Sie geben dem Agenten Kontext, Absicht und Struktur, ohne ihm die Entscheidungsfreiheit zu nehmen.
Die beste UI ist oft gar keine UI
Viele Aufgaben im Arbeitsalltag brauchen keine Seite mehr. Sie sind dialogisch, kontextuell und workflowbasiert. Der Mensch fragt, der Agent arbeitet:
- „Erstelle mir eine Zusammenfassung aller offenen Deals.”
- „Welche Kunden sollte ich heute kontaktieren?”
- „Plane einen Follow-up-Termin mit allen Beteiligten.”
- „Bereite eine E-Mail an diesen Kontakt vor.”
- „Prüfe, ob bei diesem Mitarbeiter Dokumente fehlen.”
- „Erstelle einen Report über alle Projekte mit Risiko.”
- „Vergleiche die letzten beiden Payroll-Läufe.”
Keine Navigation, kein Filter, kein Modal. Der Agent sammelt den Kontext, kombiniert die richtigen Tools und liefert ein Ergebnis, oder bittet um Freigabe, bevor er extern handelt.
Workflows statt Navigation
Agents brauchen keine Navigation. Sie brauchen klare Workflows.
Eine klassische Webapp führt den Benutzer über Navigation: Kundenliste → Detailseite → Kommunikations-Tab → Reminder-Modal. Das ist für Menschen intuitiv. Für einen Agenten ist es unnötiger Overhead, er muss sich durch ein Interface klicken, das für seine Arbeitsweise nicht gebaut wurde.
Ein Workflow löst dasselbe Problem anders: Er beschreibt den Prozess direkt als geordnete Abfolge von Capabilities. Der Agent versteht, was zu tun ist, ohne die Oberfläche zu kennen.
Ein Workflow im Detail
Das folgende Beispiel zeigt einen Buyer-Follow-up-Workflow für eine Immobilien-Software. Der Agent soll alle aktiven Projekte prüfen, passende Käufer identifizieren und eine Follow-up-Kommunikation vorbereiten.
-
projects.list_active -
contacts.search_buyers -
contacts.get_purchase_profile -
exposes.generate_download_link -
emails.create_project_draft -
reminders.create_follow_up -
deals.recommend_next_action
So läuft der Workflow ab:
projects.list_active, Der Agent liest alle aktiven Projekte. Das ist ein risikoarmer Lesezugriff, der autonom ausgeführt werden kann.contacts.search_buyers, Für jedes Projekt werden passende Käuferkontakte gesucht. Ebenfalls ein Lesezugriff, kein externer Effekt.contacts.get_purchase_profile, Der Agent lädt das Kaufprofil jedes Kontakts, um zu prüfen, ob eine Nachverfolgung sinnvoll ist.exposes.generate_download_link, Für relevante Projekte wird ein zeitlich begrenzter Download-Link zum Exposé erzeugt.emails.create_project_draft, Der Agent erstellt einen E-Mail-Entwurf mit dem personalisierten Text und dem Download-Link. Noch kein Versand.
An diesem Punkt hält der Workflow an.
Der Mensch wird gefragt. Das System zeigt den fertigen Entwurf: Empfänger,
Betreff, Inhalt, Link-Ablaufdatum, Risikostufe critical. Der Benutzer kann den
Entwurf bestätigen, bearbeiten oder ablehnen. Erst nach expliziter Freigabe wird
emails.send_project_email ausgeführt.
reminders.create_follow_up, Nach dem Versand setzt der Agent automatisch einen Reminder, falls der Kontakt nicht innerhalb von sieben Tagen antwortet.deals.recommend_next_action, Abschließend berechnet das System die empfohlene nächste Aktion pro Deal und gibt sie als strukturiertes Ergebnis zurück.
Workflows komponieren Tools
Ein Workflow ist im Kern eine Komposition aus einzelnen Tools mit einer klaren Logik:
- Risikoarme Lesezugriffe (
list_active,search_buyers,get_purchase_profile) werden autonom und sequenziell ausgeführt, kein externer Effekt, kein Risiko. - Schreibende Aktionen mit internem Effekt (
create_project_draft,reminders.create_follow_up) werden ausgeführt, erzeugen aber keine externe Wirkung. - Schreibende Aktionen mit externem Effekt (
emails.send_project_email) werden durch ein Confirmation Gate geschützt. Der Agent bereitet vor, der Mensch entscheidet.
Dieses Muster gilt für jeden Workflow: Lesen ist günstig, Schreiben braucht Kontext, externe Aktionen brauchen Zustimmung. Wer Workflows so aufbaut, hält das System vollständig steuerbar, ohne es zu lähmen.
Ein Workflow ist kein Skript, das blind durchläuft. Er ist eine Struktur, die dem Agenten zeigt, wo er handeln darf, und wo er warten muss.